Unbenanntes Dokument
Ein Wunsch

Die Menschen sehen mich an. Sie sehen nicht mich. Sie sehen ein Mädchen mit Narben an den Armen und schon schauen sie weg. Sie denken sich “Die gehört eingeschlossen!” ,” Das arme Mädchen was hat sie wohl durchgemacht?”, “Wie kann man so etwas nur tun?”. Ich spüre ihre Blicke, ihre Gedanken und sie bleiben kleben. Mir ist es unangenehm. Sie kennen mich nicht und urteilen über mich. Woher wollen sie wissen das ich eingeschlossen gehöre oder was ich durchgemacht habe? Sie wissen gar nichts. Sie sehen die Narben und Schluss. Schluss mit dem, das ich doch ein liebes und lustiges Mädchen sein könnte die einfach versucht ihr kompliziertes Leben zu leben. Die das nicht tut um Aufmerksamkeit zu erregen. Nein. Es ist nicht so. Wieso versteht das niemand? Es tut weh. Es tut verdammt weh, das alle solche Vorurteile haben. Keiner weiß was in mir vorgeht. Ich tue es nicht mit Absicht. Ich will mich nicht mit Absicht verletzen. Mir in meine eigene Haut schneiden. Nein! Kennt das niemand, das man neben sich steht, wenn man etwas tut und nicht eingreifen kann? Was ist mit den Menschen die andere umbringen? Tun sie es meistens bewusst??
Es macht mich verrückt. Diese Blicke, das Gerede, das Unverstandene an der Krankheit. Es ist eine Krankheit. Es ist nicht aus Spaß. Niemals. Doch niemand setzt sich damit auseinander. Wieso auch? Die Menschen die das tun gehören sowieso in die Psychiatrie. Und für die Familie ist es meist eine Schande besonders bei den “perfekten Familien”. Vielleicht sollte wenigstens die Familie hinter den Betroffenen stehen. Ihnen vertraut man doch am meisten. Aber sie schauen meistens lieber weg und denken sich “Das geht schon schnell vorbei”. Bei mir ist diese Familie jedenfalls so. Doch sind 4 Jahre nicht schon viel zu lange??
Wieso darf ich nicht dazu stehen? Wieso darf ich nicht den Mut haben meine Wut, Traurigkeit, Einsamkeit, Verzweiflung und meinen Schmerz zu zeigen? Wozu das verstecken? Irgendwann sieht es sowieso jemand. Also ist es egal. Ich will mich nicht ständig verstecken.
Mein Ziel ist nah und doch so fern. Dauernd stelle ich mir Fragen... ”Ist es jetzt vorbei?”, ”Kommt es wieder?”, “Warum verschwindet es nicht einfach?”, “Habe ich es besiegt?”, “Hab ich es nach fast 3 Monaten geschafft?“ Meistens werden diese Fragen positiv beantwortet. Und meistens beantworte ich sie negativ. Oft will ich nicht das es vorbei ist. Ich mache mich schlecht. Ich will krank sein. Ich hasse mich. Und zwar alles an mir. Ich will das sich jemand um mich kümmert. Mich in den Arm nimmt und alles tut damit es mir besser geht und mich nicht dauernd runter zieht. Jemand der mir hilft gesund zu werden. Ja und darin liegt die Aufmerksamkeit. Trotzdem halte ich niemanden meine Narben oder Wunden unter die Nase. Wenn sie es sehen ist es halt so! Ich habe auch keine Probleme darüber zu sprechen. Es versteht sowieso niemand außer meiner Therapeutin.
Ich muss weg. Hier raus. So schnell es geht. Nicht in eine Psychiatrie. In eine eigene Wohnung. Weg von hier. Von den Menschen die mich hassen und verabscheuen. Von dieser Einsamkeit. Ich bin einsam. Ich will nicht einsam sein. Ich möchte Freundinnen. In ein Café mit ihnen gehen und tratschen. Über Schminke, Mode und all das reden was Mädchen eben so machen. Abends in die Disco gehen und viel Spaß haben. Bei ihr schlafen und Beauty-Abende machen. Das fehlt mir so sehr. Wieso kann ich so was nicht machen?? Wieso kann ich keine Freunde haben?? Oder stelle ich einfach zu hohe Ansprüche in dieser Welt? Soll ich mir ein Schild umhängen, wo draufsteht „Suche Freunde“? So einfach ist das eben nicht. Soll es auch vielleicht nicht für mich sein. Vielleicht sollte ich es als Herausforderung sehen. Quatsch!
Dauernd werde ich von ihr aufgezogen, das ich keine Freunde habe. Was ich für ein armseliges Leben ich habe. Das ich es eh zu nichts bringen werde. Dumme Hauptschülerin. Hässlich. Dick. Dämlich. Ein Psycho die sich die Arme aufschneidet. So sieht mich meine große Schwester. Die alles kann und alles weiß. Die hübsch und dünn ist. Viele Freunde und ein tolles Leben hat. Das Gegenteil von mir. Ja das ist sie. Und ich bin froh wenn sie weg zieht. Weg von hier und von mir. Kein fertig machen mehr. Sie sollte jetzt schon ihre Sachen packen und wegziehen und nicht erst nächsten Monat. Wirklich. Auch wenn sie meine Schwester ist.
Es ist alles so schwer und kompliziert. Aber das Leben scheint so zu sein. Ich muss es überwältigen. Ich habe nur einen Wunsch:
Ein ganz normales Mädchen zu sein!



edit// Über 3 Monate durchgehalten...Ich Bin Stolz!!!!by Laura,21.10.06
Come to me, please


_I want you!




My Darling ... <3

Gratis bloggen bei
myblog.de